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Stress im Familienalltag reduzieren? So klappt es sofort!

Träumst du auch von einem harmonischen Familienleben ohne Stress und Streit? Diese weichgezeichneten Träume haben wir wohl alle und sie stehen oft in schmerzhaftem Konflikt mit der Realität. Kennst du das, wenn das Kleinkind beim Frühstück beschlossen hat, seine Forschertätigkeiten heute auszuweiten und zu prüfen, wieviel Orangensaft in den Eierbecher passt und das Experiment gerade auf Tisch, Stuhl, Boden und Kind übergreift, während das etwas ältere Kind daneben steht und, stolz auf neuerworbenes Regelbewusstsein, laut ruft: „Das darf der nicht, das darf der nicht“? Beim Aufwischen will ein Kind dir helfen und verteilt mit patschnassen Orangensaft-Socken das Malheur im Rest der Küche in dem strebsamen Bemühen einen Lappen zu holen… und vielleicht beschwert sich dann noch ein großes Kind lautstark, dass auch nie die richtige Jeans trocken ist… all das am besten noch vor wichtigen Terminen… so einen dieser Tage meine ich.

Tage, an denen das große Ganze etwas aus dem Blick gerät und man verloren geht in eigenen und fremden Emotionen und Handlungen wie Wischen, Umziehen, Sachen ordnen, Suchen und nie dagegen ankommt? Irgendwie schafft man es nicht aus solchen morgendlichen Fehlstarts auszusteigen, die Stimmung bleibt angespannt und wenn man sich später als Familie wieder trifft, geht es gleich weiter. Die Atmosphäre ist gereizt, vielleicht kommen noch andere Probleme dazu – ich denke, wir verstehen uns, kennst du, keine weiteren Details nötig.

Und jetzt? Wo ist der Notausgang bei Familien-Stress?

Wie kannst du aus Familienstreits in Sekunden aussteigen? Etwas Geduld bitte, wir kommen gleich dazu.

Zunächst einmal: Es entsteht ja oft der Eindruck, als dauerten solche Situationen gleich ganze Tage oder sogar über längere Phasen hinweg an, aber eigentlich stimmt das bei näherer Betrachtung gar nicht. Eigentlich besteht das Leben aus einer Aneinanderreihung vieler einzigartiger Momente und erst in deinem Kopf verbinden sich diese zu einer Geschichte, zu deiner Geschichte. Eine Geschichte, die du dir jeden Tag von Neuem erzählst und sie dadurch fest zementierst, by the way. Deine Pläne, Erfahrungen und Erwartungen kommen der armen Realität in die Quere, da kann die auch nichts machen.

Hör dir gerne einmal zu, wenn du dir oder jemand anderem erzählst, wie stressig es ist und was heute wieder alles schiefgelaufen ist. Dabei steht dir auch etwas im Weg, was man „kognitive Verzerrung“ nennt, denn leider, leider werden dramatische Ereignisse besser erinnert als positive Momente. Jeder Nachrichtenkanal arbeitet damit, oder hast du schon einmal eine Schlagzeile gesehen wie: „Heute alles gut! Unser Experte rät: Einfach den Tag genießen!“? Bestimmt nicht, das würde sich kein Mensch anschauen.

Aber dies nur nebenbei, denn wir waren ja auf dem Weg zu konkreten Ausstiegsmöglichkeiten. Also weiter im Text mit einer kleinen Geschichte aus meiner eigenen Kindheit:

Tu das Unerwartete

Ich erinnere mich noch an dieses Abendessen, an dem man die Atmosphäre mit Messern hätte schneiden können. Vielleicht hatte der Tag schon so begonnen, wie oben beschrieben, vielleicht war etwas anderes vorgefallen. Das erinnere ich nicht mehr und es interessierte mich aus kindlicher Sicht auch nicht. Gründe waren mir egal. Es ging mir um diese körperlich spürbar miese Stimmung, die mir förmlich im Nacken saß und all meine Handlungen beeinflusste. Als logische Folge davon wurde es immer schlimmer, Milchbecher kippten um, Löffel fielen in Flüssigkeiten, Flecken erschienen auf Hosen und Unterlippen begannen zu zittern. Es gab unter anderem Sülze zum Abendbrot (jaja, lange her, kennt bestimmt niemand mehr, Fleisch in Gelee eingelegt – fand ich scheußlich!). Die Sülze schmeckte offenbar nicht. Meine Mutter stocherte missgelaunt darin herum und beschwerte sich über Geschmack, Konsistenz und das Leben an sich. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt.

Da packte meine Mutter in einem plötzlichen Impuls die Sülze mit Messer und Gabel gleichzeitig und warf sie über den Tisch hinweg zu meinem Vater. Der warf das gummiartige Ding zurück und binnen Sekunden flogen diverse Dinge hin und her und meine Eltern brachen in Gelächter aus. Wir Kinder saßen komplett verwirrt dazwischen. Mein Vater wandte sich an uns und sagte höchst feierlich: „Kinder, heute fällt sowieso alles ´runter, wir essen jetzt unter dem Tisch weiter.“ Und mit seriöser Miene verzogen sich meine Mutter und mein Vater mit ihren Tellern und Besteck auf den Fußboden unter den Tisch.

Wir Kinder hatten inzwischen unseren Schockmoment überwunden und zogen ebenfalls um, kichernd und staunend ob dieser absoluten Anarchie – Unter! Dem! Tisch! Essen!!
Wir genossen gemeinsam ein plötzlich höchst lustiges Abendessen und fragten uns gegenseitig höflich nach Dingen, die auf dem Tisch standen und somit nur mit den abenteuerlichsten Verrenkungen zu erreichen waren. Wir erfanden neue Plätze für die Dinge auf Stühlen und dem Teppichboden und ordneten das ganze Abendessen neu und passend dazu – auch unsere Emotionen.

Die Situation wurde durch diese eine unerwartete Aktion binnen Sekunden umgedreht.

Humor killt Stress in wenigen Minuten

Müssen wir noch kurz über die Vorzüge von Humor und Lachen sprechen? Ich denke, es hat sich herumgesprochen, dass Lachen glücklich macht, gut für das Herz-Kreislaufsystem ist, Stresshormone abbaut, das Immunsystem stärkt und vieles mehr. Außerdem schafft es sofort eine gewisse Distanz zu der Situation und das bringt uns heraus aus dem gefühlten Stress. Stress kann man nur empfinden, wenn man sich und das Leben gerade viel zu ernst nimmt.

Schaffst du es, über dich selbst zu lachen? Das wäre etwas sehr Wertvolles für deine Kinder, denn es ist, neben den gesundheitlichen und atmosphärischen Vorteilen für deine Familie, auch die sicherste Prävention für das Weniger-Geärgert-Werden von anderen Kindern. Wenn man einfach mitlacht, nimmt man Angriffen von außen viel von ihrer Macht. Aber leider, leider musst du es vorleben, tut mir leid!

Und so klappt das im Familienalltag

Wenn wir mal ehrlich sind, klingt das so aufgeschrieben zwar einfach, aber man fühlt sich nie so weit entfernt von Spaß und Kreativität, wie wenn man gerade voll im Stress festhängt. Stimmt! Da hilft nur präventives Üben.
Du weißt ja, es gibt nur einzigartige Momente im Leben, es kommt also immer der nächste Moment, brandneu und frisch, immer wieder eine neue Chance.

Das Erste und vielleicht Schwierigste ist, deine sehr alten inneren Überzeugungen anzuschauen, die dem entgegenstehen könnten; z. B. dass man Kindern auch „den Ernst des Lebens“ beibringen muss. Hast du diese Überzeugung noch irgendwo herumliegen? Dazu nur kurz: Klare Regeln und Grenzen sind sehr wichtig, aber da werden wir an anderer Stelle noch drüber sprechen. Auch wenn ein Kind sich auseinandersetzen will, sollte man nicht ausweichen, aber schlechte Stimmung ist dabei überflüssig und erschwert die Sache nur.

Erfolgreiche Stressreduktion: Ändere den Fokus

Hilfreich könnte für dich eine weitere Eigenschaft des Gehirns sein: die selektive Wahrnehmung. In Extrem-Kurzfassung nimmst du nie die Realität wahr, sondern du bestätigst immer wieder aufs Neue deine Vorannahmen und Erwartungen. Und das, worauf du dich konzentrierst, nimmst du verstärkt wahr. Ist dir das schon aufgefallen? Immer, wenn du dich neu für etwas interessierst, nimmst du es plötzlich in deiner Umgebung wahr? Du willst mit Klavierspielen anfangen und plötzlich stellt sich heraus, dass eine Bekannte Unterricht gibt, ein Nachbar sein Klavier verschenken will – so in etwa. War vielleicht alles schon vorher da, du hast dem nur keine Beachtung geschenkt.

Also fang damit an, dich gezielt auf das Positive zu fokussieren! Fang an, mit dir selbst und dem Leben spielerisch umzugehen und lerne hier von deinen Kindern, denn sie sind in diesem Punkt großartige Lehrmeister. Und dehne das immer weiter aus.

Du brauchst mehr lustige Beispiele? Hier sind sie

Falls du für den Anfang noch Input zum kreativen Umdrehen von Stress-Situationen brauchst, bis du selbst Profi bist, kann ich für weitere Anregungen das Buch von Sabine Bohlmann „Ein Löffelchen voll Zucker“ empfehlen.
Sie hat eine Sammlung humorvoll-kreativer Ideen für die Familie zusammengestellt, von Bastelideen bis zu vielen Alltagssituationen. Die Kinder wollen z. B. nicht ins Bett gehen? Mit einer Decke auf dem Boden, die man zum fliegenden Teppich erklärt, lassen sich Kinder in Sekundenschnelle durch den Flur ziehen, vor allem wenn man lautstark mit verstellter Stimme ankündigt, dass der nächste Flug in Richtung Schlafzimmer gleich losgeht.
Beim schnelleren Anziehen kann das Sockenmonster helfen, das sooo gerne angezogen werden will. Hand in die Socke, verstellte Stimme, fertig.
Sabine Bohlmann verwandelt ihre Kinder auch in Marionetten oder Roboter zur Erledigung von bestimmten Dingen (Anweisung für den Roboter findet man auf dem Kinderbauch. Laut vorlesen, damit der Roboter auch weiß, was er zu tun hat!). Vielleicht hilft dir das, dich in dieser Denkweise besser zu Hause zu fühlen.

Wie gesagt, eigentlich brauchst du keine Anregungen von außen, denn es geht um das klassische Loslassen, was dir sofort die Tür zu Kreativität und Spaß öffnet. Die Ideen werden mit der Zeit entstehen. Übe einfach weiter. Deine Kinder helfen dir und machen begeistert mit.

Mach Stress im Familienalltag einfach überflüssig

Eine weitere Hilfe könnte die manchmal umstrittene, aber unvergleichliche Vera Birkenbihl sein. Sie hat gute Anregungen dazu, wie man als gestresster Erwachsener Humor wieder „herstellt“. Schau dir mal ihren Vortrag zu „Humor, Gelotologie“ (das ist die Wissenschaft vom Lachen) an, wenn du mal gerade zwei Stunden Zeit hast. Falls nicht, hier ein paar ihrer Tricks: Sie fragt sich, wenn sie sich gerade sehr ärgert, gerne selbst:
„Was würde ich hier witzig finden, wenn ich nicht selbst betroffen wäre?“

Das kann eine sehr sinnvolle Frage sein, wenn du gerade im Ärger drinhängst. Wenn du diese Situation jetzt auf SocialMedia als Video geschickt bekämst, was wäre dann von außen witzig? Diese Frage stellt sofort etwas Abstand zu der Situation her und den brauchst du um herzhaft darüber lachen zu können. Du hast ja vielleicht schon die Erfahrung gemacht, dass du einige deiner peinlichen Geschichten im Nachhinein, oft Jahre später, sehr witzig findest. Warum so lange warten? Versuche den Abstand immer weiter zu verkürzen, erst lachst du nächste Woche darüber, dann irgendwann am nächsten Tag, vielleicht bald schon eine Stunde später und dann landest du am Ziel: Mitten in der Situation kannst du schon Abstand herstellen und die Komik sehen. Leichter gesagt als getan, aber keineswegs unmöglich.


Birkenbihl empfiehlt auch gezielt das Sammeln von Witzen, vielleicht kannst du amüsante Videos sammeln oder Postkarten irgendwo aufstellen? Oder witzige Familiensituationen aufnehmen und sie bei Bedarf wieder abspielen? Lachen und Spaß ist so ansteckend, es kann sofort auf die neue Situation übergreifen.

Echt lustig für Erwachsene: Lächeln mit Absicht

Eine weitere Übung von Birkenbihl ist auch das Lächeln mit Absicht. Unser Gehirn denkt, – verkürzt gesagt – wenn wir lächeln, dass wir gute Laune haben, also kann man tatsächlich auch umgekehrt ohne gute Laune mit dem Lächeln anfangen. Wenn du 60 Sekunden durchgehend die Mundwinkel hochziehst, sinkt nach Birkenbihl dein Stresslevel signifikant. Also, kurz ins Bad gehen, Timer auf 60 Sekunden und feste lächeln. Nutze dabei gerne die Zeit konstruktiv und drehe den ärgerlichen Anlass nicht weiter durch deinen Gedanken-Wolf, sondern erinnere dich an deine höheren Werte für deine Familie. Lebst du sie gerade? Falls nicht – willst du das? Mach eine größere Perspektive auf. Und immer schön lächeln.

Falls du mehr zum Thema Werte für deine Familie lesen möchtest, hier bei uns: Link zum Artikel Werte

Überlass deinem Kind die Führung

Das Schöne ist, dass du den Humor oft nicht einmal selber in deine Familie hineinbringen musst, du musst ihn lediglich von deinen Kindern übernehmen und feiern. Ja, ich weiß, das Problem ist, dass der Humor sich mit der Hirnreifung entwickelt, er beginnt im Alter von ungefähr eineinhalb Jahren und ist in den ersten Kinderjahren für Erwachsenen oft überhaupt nicht lustig. Falls du einmal selbstgemachte Theateraufführungen von Vorschulkindern gesehen hast, weißt du vielleicht, was ich meine. Zum Glück ist es so wahnsinnig niedlich, dass du auch dahinschmilzt, ohne dass es deinen Humor trifft.
Humor muss für ein kindliches Gehirn noch sehr konkret sein, also versuche es bloß nicht mit Ironie, die verstehen Kinder oft erst in der Vorpubertät. Humor wächst jedoch mit, bleib am Ball, es wird später wirklich lustig, auch für dich – versprochen.

Einzige Ausnahmen für Humor-Interventionen sind, wenn dein Kind ein wirklich ernstes Problem hat und mit starken Emotionen zu dir kommt – oder natürlich die Pubertät, in der man ja sowieso peinlich ist als Eltern, da muss man etwas anders verfahren. Wenn du aber bis dahin Humor in deiner Familie gut etabliert hast, dann ist es auch und gerade in der Pubertät ein sehr gutes Mittel zum Knotenlösen.

Probiere einfach aus, was dein Kind jetzt gerade lustig findet! Gehe mit mit dem, was dein Kind dir vormacht. Was lässt sich machen aus Orangensaft im Eierbecher? Lass deiner Kreativität freien Lauf – wir freuen uns auf kreative Kommentare. Wie bringst du Humor und Spaß in deine Familie?

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4 Kommentare

  1. MOni

    Meine ältere Tochter (jetzt 32) hasste das Aufräumen. Im Alter von ca. 11 Jahren sah es im Zimmer aus, wie bei einem Messi. Ich gab mich oft wirklich geärgert.
    Da sie aber gern schlief, habe ich all die Dinge, die so rumlagen und nicht organisch waren in ihren Bettbezug gestopft und hübsch zugeknöpft. Zusätzlich gab es Kartoffeln zwischen Matratze und Laken und aufs Kopfkissen einen Schokoriegel. Erst gab es wütende Beschimpfungen, dann musste sie lachen.
    Danach war zukünftig halbwegs Ordnung. So hat es uns beiden Spaß gemacht 😀

    Antworten
    • Claudia

      Hey Moni, danke für diese Geschichte :-)! Klingt ja, als hättet Ihr Spaß dabei gehabt, großartig!

      Antworten
  2. Petra

    Danke für den schönen und wertvollen Beitrag ♥️
    PS da wo steht dass man zum Werte Artikel kommt, ist dieser nicht verlinkt 🙈
    LG

    Antworten
    • Claudia

      Jaaa, die Site gibt es leider nicht mehr… gut, dass du mich darauf aufmerksam machst, Dankeschön 🙂

      Antworten

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